Der Ort und die Umgebung
Das Schloss Stedtfeld liegt im Ortsteil „Stedtfeld“ der Stadt Eisenach in einer geschichts- und mythenreichen Umgebung: Vom Gebäude aus blickt man über den Fluss Hörsel hinweg zur Wartburg und zur dortigen Lutherstube, wo der Reformator mit der Bibelübersetzung unser neuzeitliches Deutsch schuf. Die Berge, Täler und Schluchten sind eine Legendenlandschaft tiefster Prägung und Heimat erzählerischer Traditionen. Die Heilige Elisabeth wirkte hier als europäische Frauengestalt des Mittelalters. In der Drachentöterlegende und der Erinnerung an den Sängerkrieg auf der Wartburg wirken mittelhochdeutsche Poesie und Minne nach. Im nahen Creutzburg an der Werra wurde 1571/72 der Komponist Michael Praetorius geboren, dem 1685 das Genie Johann Sebastian Bach folgte, der in seiner Geburtsstadt Eisenach die ersten zehn Jahre lebte. In romantischer Stimmung verkroch sich der junge Goethe für fünf Wochen auf der Wartburg und Richard Wagner siedelte die Handlung seines Tannhäusers in der Venusgrotte in den Hörselbergern und anderen lokalen Stellen an.
Das Dorf Stedtfeld gehörte lange Zeit zur Einflusssphäre der Reichsabtei Hersfeld und war Stammsitz zweier Adelsfamilien: im Mittelalter derer von Hofmeister (die Hofmeister beim Thüringer Landgraf waren) und von 1450 bis 1945 der hessischen Freiherren von Boyneburgk. Später war es Teil des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Seit 1952 lag Stedtfeld in der Sperrzone der DDR-Grenzsicherung und war nur noch sehr beschränkt zugänglich. Bereits in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 wurde der nahe gelegene Grenzübergang Herleshausen/Wartha geöffnet und die Teilung Deutschlands war beendet. 1994 besuchte der amerikanische Präsident Bill Clinton mit Helmut Kohl das Opel-Werk Eisenach – und landete mit dem Hubschrauber auf den ehemals zum Schloss gehörenden Wiesen in Stedtfeld.
Was hat das nun aber alles mit uns Zeitgenossen zu tun, solch ein Ort mit viel Geschichte, der geografisch fast genau in der Mitte Deutschlands liegt? Welche Bedeutung besitzt diese märchenhafte Historie für uns Heutige, die mehr und mehr in eine digital-künstliche Epoche gleiten, in der auch die Kräfte der Geschichte zurückkehren, und das nicht in ihrer sanften und schönen Form?
Wir wollen das Schloss Stedtfeld sanieren und angesichts des geschilderten Erinnerungsraums viele Fragen an unsere Vergangenheit und an uns stellen.
Wir freuen uns auf viele bereichernde Begegnungen, Gespräche, Klänge von Musik und Literatur und sind gespannt, in welcher Gegenwart wir 2050 leben werden. Wir freuen uns über jeden Mitstreiter beim Sanieren und Beleben des Baudenkmals und beim Lüften seiner Geheimnisse.
Das Schloss
Das Barockschloss wurde samt Gutshof 1667 von den Freiherren von Boyneburgk-Stedtfeld errichtet. 1775 schuf der Maler Schuchmann im Saal des Schlosses eine auf Leinwand gemalte panoramatische Landschaftsdarstellung. Sie zeigt den Ausblick aus dem Schloss in alle Himmelsrichtungen sowie als Sinnbild der guten Gutsherrschaft Genreszenen: die Betätigung der Adligen und Bauern bei der Jagd, der Feldarbeit und beim Tanz unter der Dorflinde. Die Raumgestaltung besitzt wegen ihrer Einzigartigkeit eine nationale kulturhistorische Bedeutung.
Zwei Türme wurden später an das Schloss angebaut. 1945 beschlagnahmten die sowjetischen Besatzer den Boyneburgkschen Besitz und zerstörten „feudale Elemente“, wie die Haube des hofseitigen Turms und das Wappen über dem Eingang. Das Schloss wurde von vielen Familien bewohnt, war Sitz der LPG sowie der Ortspolizei und beherbergte nach der Wiedervereinigung die Gemeindeverwaltung. Das Schloss wurde 2017 von der Stadt Eisenach an eine Privatperson verkauft. 2022 wurde mit Missachtung des Denkmalschutzes das bereits 1946 ausgeübte Zerstörungswerk an der historischen Bausubstanz fortgeführt und in einem baulichen Gewaltakt fast sämtliche Nebengebäude abgerissen. Vom Gutshof neben dem Schloss blieben das Torhaus und der Brunnen von 1754 im Rokokostil übrig. 2025 konnte die FELIX JUD ACADEMY das Schloss samt Torhaus und Brunnen erwerben. Dies möchten wir nachhaltig und denkmalgerecht in Stand setzen und nach 80 Jahren der Enteignung, des Dornröschenschlafes und der Zerstörung wieder etwas Schönes gestalten.
Die FELIX JUD Academy
2026 nimmt die gemeinnützige FELIX JUD ACADEMY ihre Tätigkeit auf: Zwei Sommerakademien werden vom 11. bis 14.6.2026 in Eisenach und vom 13. bis 16.8.2026 auf Sylt stattfinden. Das Angebot soll die Bildungsarbeit und das Kulturangebot der Buch- und Kunsthandlung an ihren bisherigen Standorten ergänzen. Mit Zeit und Ruhe werden die Teilnehmer der Sommerakademien in einer überschaubaren Gruppe mit Dichtern und Denkern in Kontakt treten, reale und geistige Landschaften erkunden, Gedanken fassen, Texte studieren und gemeinsam auf intellektuelle Entdeckungstour gehen. Die FELIX JUD ACADEMY hat ihren Sitz zwar in Hamburg, sieht das Denkmalprojekt „Schloss Stedtfeld“ aber vorerst als einen Schwerpunkt ihrer Tätigkeit. Über die Möglichkeiten der Teilnahme und die Inhalte erhalten Sie hier ab 15.2.2026 mehr Informationen.
Ihre Unterstützung
Das Denkmalprojekt „Schloss Stedtfeld“ braucht in den nächsten Jahren Unterstützung. Wenn Sie unser Anliegen aus kultureller, denkmalpflegerischer und gesellschaftlicher Perspektive überzeugt, freuen wir uns über Ihre Hilfe.
Die Felix Jud Academy ist als gemeinnützige UG anerkannt. Ihre Spenden sind steuerlich abzugsfähig. Eine Zuwendungsbestätigung wird ausgestellt.
Spendenkonto:
Felix Jud Academy gUG
HypoVereinsbank
DE87 2003 0000 0040 3525 93
HYVEDEMM300
Ansprechpartner
Anschrift
Felix Jud Academy gUG (haftungsbeschränkt)
Neuer Wall 13, 20354 Hamburg
Schloss Stedtfeld, Denkmalplatz 1, 99817 Eisenach
Termine 2026
24.4.2026, 18 Uhr: Öffentliche Projektvorstellung für Stedtfelder Bürger und Kulturakteure der Region
25.5.2026, 11-18 Uhr: Teilnahme „Thüringer Schlössertage“
11.-14.6.2026: 1. Sommerakademie der FELIX JUD ACADEMY (nur für Teilnehmer)
13.9.2026: 11-18 Uhr, Teilnahme „Tag des offenen Denkmals“