Blumen nach einem Unwetter - Hermann Hesse
Originaltyposkript des malenden Dichters, illustriert mit einem reizvollen Aquarell.





Blumen nach einem Unwetter



Geschwisterlich, und alle gleichgerichtet,

Stehn die gebückten, tropfenden im Wind,

Bang und verschüchtert noch und regenblind,

Und manche schwache brach und liegt vernichtet.



Sie heben langsam, noch betäubt und zagend,

Die Köpfe wieder ins geliebte Licht,

Geschwisterlich, ein erstes Lächeln wagend:

Wir sind noch da, der Feind verschlang uns nicht.



Mich mahnt der Anblick an so viele Stunden,

Da ich betäubt, in dunklem Lebenstriebe,

Aus Nacht und Elend mich zurück gefunden

Zum holden Lichte, das ich dankbar liebe.





Aus der Gedichtsammlung „Sommer 1933“. Hesse schuf solche Gedichtsammlungen in mehreren Exemplaren und schenkte sie Freunden oder verkaufte sie an Bewunderer seiner Werke. Diese Zusammenstellungen sind allesamt besondere Einzelstücke, die in der Auswahl der Gedichte und Illustrationen variieren.

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