Kreide und Holzschnitt – Materialien im künstlerischen Gespräch
Die Arbeiten von Christopher Schultz-Brummer entstehen aus Pastellkreide auf Papier – einem scheinbar einfachen Material, das sich unter seiner Hand in eine erstaunliche Vielfalt von Substanzen verwandelt. In seinen Bildern erscheinen Erde, Staub, Rost, Schnee, Wasser oder Mineralien nicht als dargestellte Gegenstände, sondern als sinnlich erfahrbare Materie selbst. Obwohl seine Werke häufig als abstrakt bezeichnet werden, stehen sie – wie Martin Mosebach hervorhebt – in einer langen europäischen Tradition der Malerei, die danach strebt, die stoffliche Oberfläche der Welt sichtbar zu machen. Schultz-Brummer erweitert die Möglichkeiten der Pastellkreide zu einer eigenständigen Bildsprache: Er zeichnet, reibt, bricht und mischt das Material und erreicht damit eine Fülle von Texturen und Farbwirkungen, die an die Ausdruckskraft der Olmalerei erinnern. Seine Bilder verbinden dabei archaische Ursprünglichkeit mit höchster handwerklicher Verfeinerung.
Eine besondere Erweiterung dieses Werkes entsteht im Dialog mit dem Künstler Barlach Heuer (1930-2019). Heuer, in Elmshorn geboren und spater lange in Paris tätig, gehörte zu jener Generation deutscher Nachkriegskünstler, die sich intensiv mit Grafik, Malerei und Materialität des Bildes beschäftigten. Zwischen Schultz-Brummer und Heuer entwickelte sich über viele Jahre eine enge künstlerische Freundschaft. In einer intensiven Briefkorrespondenz – oft von großer Länge und geprägt von gegenseitigem Respekt – tauschten sie Gedanken über Kunst, Material und Bildsprache aus.
Aus diesem Austausch entstanden auch gemeinsame Arbeiten, darunter Holzschnitte wie „Claire-Obscur“ sowie die Serie „Gespräch Barlach Heuer und Christopher Schultz-Brummer“. Diese grafischen Arbeiten lassen sich als bildnerischer Dialog verstehen. Während Schultz-Brummers Kreidearbeiten die Materie in vielschichtigen Farb- und Oberflächenstrukturen erscheinen lassen, tritt im Holzschnitt eine konzentriertere, strukturbetonte Formensprache hervor. Beide Medien verbindet jedoch die gleiche Sensibilität für Material, Oberfläche und die elementare Kraft der Bildentstehung.
So stehen in dieser Ausstellung Kreide und Holzschnitt nicht als getrennte Werkbereiche nebeneinander, sondern als zwei Formen eines künstlerischen Gesprächs. In ihnen wird sichtbar, wie sich Material, Technik und künstlerischer Austausch gegenseitig durchdringen – und wie aus dieser Begegnung Bilder entstehen, in denen sich die lebendige und die scheinbar stumme Materie der Welt begegnen.
Bio-Barlach Heuer
Barlach Heuer wurde 1930 in Elmshorn geboren und starb 2019 in Paris Er war ein deutscher Künstler der Nachkriegszeit, dessen Arbeiten u. a. al
Druckgrafiken und Malerei ausgestellt wurden.
Der Name „Barlach“ geht auf eine familiäre Verbindung zum bedeutenden expressionistischen Bildhauer Ernst Barlach zurück, der zu den wichtigsten Künstlern des deutschen Expressionismus zählt.