Karl Lagerfeld

In seinem Bilderzyklus „Moderne Mythologie“ inszeniert Karl Lagerfeld 2013 „Daphnis & Chloe“, die älteste Liebesgeschichte der Welt von Longos.

Longos begründete mit der Erzählung das Genre der Hirtendichtung und schuf gleichzeitig einen Klassiker der griechischen Spätantike.

In der Geschichte wachsen die beiden Waisenkinder, Daphnis und Chloë bei Hirten auf der Insel Lesbos auf, und entdecken im jugendlichen Alter zögerlich ihr Interesse aneinander und verlieben sich.

Über die Jahrhunderte hat der bezaubernde Liebesroman immer wieder Maler, Grafiker, Bildhauer, Fotografen, Komponisten und Choreografen zu eigenen Kreationen angeregt. Besonders beliebt war der Stoff im französischen Rokoko. So entstanden zum Beispiel viele Gemälde, u. a. von Francois Boucher.

Karl Lagerfeld fotografierte seine Bilder in Südfrankreich, in einem Wald bei Ramatuelle. Dorthin zog er mit mehreren Trucks voll mit Schafen, Rindern, allen Ausstattungsstücken, wie antiken Skulpturen und den Kleidern, einem Caterer, einem Team von Make-up-Artists, Beleuchtern, seinen Assistenten und schließlich den Models: Baptiste Giabiconi und Bianca Balti.

Dabei lässt Lagerfeld seine Models immer wieder in sehr artifiziellen Posen agieren, die deutlich machen, dass das alles eine große Inszenierung ist – als würden wir als Zuschauer auf eine Bühne schauen, auf der die Darsteller die Geschichte von Longos zum Besten geben.

Die sinnlich-ästhetischen Fotografien von Karl Lagerfeld transportieren die Erzählung samt ihrer sprachlichen Erotik ins einundzwanzigste Jahrhundert. Sie waren zuerst in der Hamburger Kunsthalle in der Ausstellung „Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models“ zu sehen (21. Februar 2014 bis 14. Juni 2014).

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