Originaltyposkript des malenden Dichters, illustriert mit einem reizvollen Aquarell.
Schmetterlinge im Spätsommer
Die Zeit der vielen Falter ist gekommen,
Im späten Phloxduft taumelt sacht ihr Tanz.
Sie kommen schweigend aus dem Blau geschwommen,
Der Admiral, der Fuchs, der Schwalbenschwanz,
Der Kaisermantel und Perlmutterfalter,
Der scheue Taubenschwanz, der rote Bär,
Der Trauermantel und der Distelfalter.
Kostbar an Farben, Pelz- und samtbesetzt,
Juwelenschillernd schweben sie einher,
Prächtig und traurig, schweigsam und benommen,
Aus untergegangner Märchenwelt gekommen,
Fremdlinge hier, noch honigtaubenetzt
Aus paradiesischen, arkadischen Auen,
Kurzlebige Gäste aus dem Morgenland,
Das wir im Traum, verlorene Heimat, schauen
Und dessen Geisterbotschaft wir vertrauen
Als eines edleren Daseins holden Pfand.
Sinnbilder alles Schönen und Vergänglichen,
Des Allzuzarten und des Überschwenglichen,
Schwermütige und goldgeschmückte Gäste
An des betagten sommerkönigs Feste!
Aus der Gedichtsammlung „Sommer 1933“. Hesse schuf solche Gedichtsammlungen in mehreren Exemplaren und schenkte sie Freunden oder verkaufte sie an Bewunderer seiner Werke. Diese Zusammenstellungen sind allesamt besondere Einzelstücke, die in der Auswahl der Gedichte und Illustrationen variieren.