Sol - Christopher Schultz-Brummer

Christopher Schulz-Brummer bei Felix Jud

 

Christopher Schulz-Brummer stellte zuletzt bei Felix Jud aus, als der Gründer der historischen Bücherstube, Felix Jud, noch lebte. Zwischen dem Künstler und dem Buchhändler verband sich eine von gegenseitiger Wertschätzung geprägte Bekanntschaft: Schulz-Brummer war über viele Jahre ein passionierter Kunde des Hauses, ein freundlicher, zurückhaltender Besucher, der dennoch stets zu anregenden Gesprächen mit Jud bereit war.

Nun kehrt sein Werk – gleichsam als leise Wiederbegegnung – an diesen Ort zurück. Im Kabinett im oberen Stockwerk zeigen wir eine Auswahl der wiederentdeckten Arbeiten des Hamburger Künstlers, der 1941 in Hamburg geboren wurde und 2022 ebendort verstarb. Nach einer Tischlerlehre (1960–1963) und einem Studienaufenthalt in Paris (1963–1964) studierte er von 1965 bis 1967 an der Kunstschule Alsterdamm und war lange als Grafikdesigner tätig, bevor er sich seit 1985 vollständig der freien künstlerischen Arbeit widmete. Seine Werke wurden unter anderem im Kunsthaus Hamburg, auf der FIAC im Grand Palais in Paris sowie im Chapel Art Center in Köln ausgestellt; 2012 erfolgte die Aufnahme eines Teil-Vorlasses mit Bildern.

Das Œuvre Schulz-Brummers, vor allem seine Kreidearbeiten auf Papier und Sperrholz sowie seine Holzarbeiten, zeichnet sich durch eine besondere Sensibilität für Bildsprache und Narrativ aus. In seinen Kompositionen entfaltet sich eine Ästhetik des Ephemeren: Linien lösen sich auf, Formen scheinen im Übergang begriffen, als befänden sie sich in einem schwebenden Zustand zwischen materialisierter Präsenz und ätherischer Auflösung. Diese bewusste Verwischung der Kontur – in der kunsttheoretischen Perspektive auch als Infragestellung der klassischen „contour“ lesbar – öffnet einen Raum produktiver Ambiguität. Schulz-Brummers Werke zelebrieren nicht den Verlust der Form, sondern den Moment ihrer Transformation.

Gerade heute, in einer Zeit, in der in der zeitgenössischen Kunst eine erneute Hinwendung zu einfachen, natürlichen Materialien zu beobachten ist, gewinnen Schulz-Brummers Arbeiten eine besondere Aktualität. Materialien wie Kreide, Papier oder Holz, die lange als schlicht oder nebensächlich betrachtet wurden, erfahren wieder größere Aufmerksamkeit. Schulz-Brummer nutzte diese Stoffe mit großer Selbstverständlichkeit und ließ ihre Eigenart bewusst sichtbar.

Ab dem 13. März sind Kreidewerke und Holzarbeiten von Christopher Schulz-Brummer im Kabinett von Felix Jud am Neuen Wall zu sehen.

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