Reisender zwischen den Welten
Eines liegt auf der Hand: Man kann an den Fotografien von Christian Voigt nicht einfach vorbeigehen. Ihre irritierende Wirkung zieht den Blick an, fesselt ihn, fordert ihn heraus – und mündet schließlich in ein Staunen über die Schönheit der Welt, welche gerade durch ihre Unmittelbarkeit berührt. Die Wirkmacht von Christian Voigts Bildern erlebt, wer sich auf seine Bildsprache einlässt. Diese erwächst aus dem Anspruch, mehr zu zeigen, als das menschliche Auge auf einen Blick erfassen kann. Grundlage seiner Ästhetik ist ein kompromissloser Umgang mit dem technisch Machbaren: Voigt arbeitet ausschließlich mit Großformatkameras, deren Möglichkeiten er über Jahre hinweg bis an die Grenzen ausgelotet und erweitert hat. Seine monumentalen Panoramen mit gestochen scharfen Details und beeindruckenden Lichtstimmungen sind keine Momentaufnahmen im klassischen Sinn. Vielmehr entstehen sie aus Belichtungsreihen, die Stunden umfassen und die in einem minutiös gesteuerten Prozess zu einem einzigen, hochverdichteten Bild verschmelzen – einer visuell überhöhten Wirklichkeit am äußersten Rand fotografischer Präzision. So entsteht eine hyperreale Welt zwischen Fotografie und fotorealistischer Malerei – eine Welt, die uns vertraut scheint und doch auf irritierende Weise entrückt wirkt. In seinen längst ikonischen Serien von Bibliotheken und Museumsinterieurs verdichten sich Strenge und Schönheit zu einem konzentrierten Blick auf die Welt – gebündelt wie durch ein optisches Brennglas. Geboren in München, mit Lebensmittelpunkten in Hamburg und Südfrankreich, ist Christian Voigt ein rastloser Reisender – stets auf der Suche nach der »city beyond the hills«. Reisen als Lebensform, Begegnungen als Antrieb, die Suche nach Schönheit als künstlerisches Prinzip: Aus dieser Haltung heraus entstanden seine opulenten Landschafts- und Architekturfotografien sowie eine unverwechselbare Bildsprache. Mit den Konzeptserien EVOLUTION und LUNAR erweiterte Christian Voigt seine Bildsprache um eine neue Perspektive: Der Blick richtet sich nun nicht mehr in die Weite, sondern ins Detail – und zugleich auf die Fotografie selbst als Medium. Indem Voigt Bildträger, Rahmen, Lichtführung und sogar die Wandfarbe der Präsentation in die visuelle Konzeption einbezieht, transformiert er das Foto zum Objekt. Die Grenze zwischen Abbild und Wirklichkeit wird neu verhandelt. Weitere Serien sind bereits in Arbeit – und es bleibt zu erwarten, dass auch sie uns an Orte führen werden, die zwischen unserer Welt und der ästhetischen Realität von Christian Voigt liegen. Orte, wie wir sie noch nie gesehen haben.
Lunar
Die Abenteuer von Astronauten und Kosmonauten, die sich ins Unbekannte wagen und die Grenzen des menschlichen Horizonts ausloten, bilden den Ausgangspunkt für Christian Voigts Serie LUNAR. In seinen Fotografien werden ikonische Anzüge und technische Wunderwerke aus den USA, Russland und Europa in einer bisher ungesehenen Weise von poetischer Qualität präsentiert. Das lateinische Adjektiv lunar bedeutet auf den Mond bezogen, vom Mond ausgehend, zum Mond gehörend und fasst den Pioniergeist der Serie zusammen. Von den sperrigen Anzügen der Anfangsjahre bis zu den eleganten und hochtechnologischen Raumanzügen der Gegenwart zeigen die Bilder die fortschreitende Entwicklung der Raumfahrttechnologie. Mit bemerkenswerter Detailtreue und Präzision fängt Christian Voigt die Feinheiten und raffinierten Elemente dieser Hochleistungskleidung ein. Die Bilder verdeutlichen, wie Wissenschaft und Technik danach streben, den Astronauten eine immer bessere und sicherere Ausrüstung für ihre Reisen ins All zur Verfügung zu stellen und den menschlichen Körper außerhalb der Erde zu schützen. Christian Voigts Bilder ermutigen den Betrachter, über den Tellerrand seiner eigenen Welt hinauszuschauen und das Potenzial der Menschheit zu erkennen, neue Welten zu betreten, wenn man sich mutig auf die Reise ins Unbekannte begibt und gemeinsam nach den Sternen greift.
Museums & Libraries
Die Fotografien ausgewählter Bibliotheken führen die Pracht historischen Orte des menschlichen Wissens vor Augen. Die Bilder zeigen oft hoch aufragende Regale voller antiquarischer Bücher, kunstvolle Holzarbeiten und gewölbte Decken, die ein Gefühl der Ehrfurcht vor dem lebenslangen Lernen hervorrufen. Mit seinen Fotografien hat Christian Voigt eine visuelle Hommage an den Jahrhunderte umfassenden Bildungsschatz geschaffen. Sie bietet einen Einblick in die reiche Geschichte der menschlichen Wissenschaft und des intellektuellen Strebens und lädt die Betrachter ein, sich die unzähligen Gelehrten vorzustellen, die in diesen ehrwürdigen Mauern studiert haben. Jeder Raum zeichnet sich durch eine einzigartige Atmosphäre aus, auf die sich der Betrachter einlassen muss, sich Zeit zu nehmen, um zu entdecken und darüber nachzudenken, was Räume mit uns machen und was wir mit Räumen machen. Im Laufe der Jahre hat Christian Voigt festgestellt, dass sich diese räumliche Wirkung am besten vermitteln lässt, wenn der Raum in einer zentralen Komposition dargestellt wird. Infolgedessen konzentrieren sich die Arbeiten auf die wesentlichen Strukturen, die den Raum definieren, sowie auf die Bedeutung von Details und ihre Rolle bei der Wahrnehmung des Raums. In den Bildern wird deutlich, dass die Wirkung der Architektur paradoxerweise am stärksten ist, wenn die Menschen, für die sie ursprünglich geschaffen wurde, nicht im Bild sind.